Olympia-Qualifikation beginnt am Samstag in Augsburg

(jam) Mit Teil eins der nationalen Olympia-Qualifikation in Augsburg beginnt für die deutsche Kanu-Slalom-Elite am Samstag der Ernst der Olympiasaison 2016. Die vier Rennen innerhalb von neun Tagen – Teil zwei folgt eine Woche später in Markkleeberg – sind eigentlich schon der zweite Jahreshöhepunkt, denn für die Spitze geht es im Olympiajahr nur um die Teilnahme an den Rio-Entscheidungen Anfang August. Der Verlauf der diesjährigen Saison entscheidet sich schon sehr früh.

Die olympischen Quotenplätze hat das DKV-Team bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in London quasi nebenbei und völlig problemlos eingefahren, als auf dem Olympiakurs von 2012 im Lee Valley White Water Centre insgesamt fünf Medaillen – einmal Gold, dreimal Silber, einmal Bronze – gewonnen wurden. Drei Medaillen kamen dabei aus den olympischen Disziplinen, zwei jedoch bei den Kajak-Damen – was sich in diesem Jahr in Rio nicht wiederholen lassen wird. Denn nur ein Boot pro Kategorie wird die deutschen Farben in Brasilien vertreten können.

Damit ist klar, dass es wie in jedem Schaltjahr in der jüngeren Vergangenheit auch 2016 zu einem engen und hart umkämpften Wettstreit in der nationalen Qualifikation kommen wird, auf den die Aktiven seit dem vergangenen Herbst konzentriert und motiviert hinarbeiten. Auch diesmal gibt es den großen, übermächtigen Favoriten in keiner der vier Disziplinen, auch wenn die WM-Medaillengewinner von London natürlich mit einem leichten Bonus ins Rennen gehen, der am Ende gut den Ausschlag geben kann. Die C2-Weltmeister Franz Anton/Jan Benzien (Leipzig) starten so mit zwei, Ricarda Funk (Bad Kreuznach) und Melanie Pfeifer (Augsburg), die im Kajak-Einer der Damen Silber und Bronze geholt hatten, mit jeweils einem Minuspunkt in die nach dem Platzziffernsystem ausgetragenen Qualifikationsrennen.

Internes Duell: Welt- gegen Europameister
Trotzdem verbleibt viel Spannung. So treffen im Canadier-Zweier die amtierenden Weltmeister auf die amtierenden Europameister Robert Behling/Thomas Becker (Schkopau), auch die Hallenser Besatzung Kai Müller/Kevin Müller zeigte sich zum Saisonbeginn stark. Bei den Damen will neben Funk und Pfeifer außerdem London-Teilnehmerin Jasmin Schornberg (Hamm) in den Kampf um die Tickets eingreifen, die vor einer Woche das Weltranglistenrennen am Leipziger Stadtrand für sich entschied. Lisa Fritsche (Halle/S.) drängt nach ihrer Premiere in der Vorsaison auch zurück ins Team, Cindy Pöschel (Leipzig) sucht nach ihrer Babypause ebenfalls Anschluss.

Bei den Kajak-Herren steht wohl der aus dem Vorjahr gewohnte Dreikampf zwischen London-Bronzemedaillengewinner Hannes Aigner, dem wiedererstarkten Peking-Champion Alexander Grimm (beide Augsburg) und Sebastian Schubert (Hamm) ins Haus. Und im Canadier-Einer trifft WM-Finalist Franz Anton (Leipzig) auf Olympia-Silbermedaillengewinner Sideris Tasiadis (Augsburg) und seinen Zweierpartner Jan Benzien und Klubkollegen Nico Bettge. Mit Florian Breuer (Augsburg) ist hier auch ein junges, neues Gesicht mit in der Verlosung um die internationalen Startplätze.

Die nationale Qualifikationsserie steht in diesem Jahr sehr zeitig im Kalender, weil bereits ab 24. April ein nächster Trainingsblock auf dem Olympiakurs in Deodoro feststeht – für die dann bekannten Olympiateilnehmer. Wie in den Jahren zuvor werden je zwei Qualifikationsrennen in Augsburg sowie in Markkleeberg die Zuschauer in Atem halten, von denen die drei besten für jedes Boot in die Wertung kommen. Der Sieger jedes Einzelrennens erhält die Platzziffer „Null“ und nur die Nummer eins in der Addition aller Platzierungen fliegt jeweils Ende Juli nach Brasilien.

Keine WM, EM als zweiter Jahreshöhepunkt
Wie immer im Olympiajahr fehlen auch 2016 die Weltmeisterschaften als Höhepunkt im Wettkampfkalender, die nächsten Welttitelkämpfe werden erst Ende September 2017 in Pau (Frankreich) ausgetragen. Als zweiter und eigentlicher Jahreshöhepunkt für die in der Olympiaqualifikation enttäuschten Zweit- und Drittplatzierten und auch die in diesem Jahr noch nicht olympischen Canadier-Damen steht deshalb die Europameisterschaft in der Slowakei an. Liptovský Mikuláš erwartet die besten europäischen Paddler vom 13. bis 15. Mai.

Zudem bringt die ICF-Weltcupserie weitere internationale Wettkampfpraxis – in diesem Jahr leider ohne Station in der Heimat. Nach dem Auftakt in Ivrea (Italien) am ersten Juni-Wochenende sind La Seu d’Urgell (Spanien) und Pau in den beiden Folgewochen die Stationen noch vor dem Beginn der Olympischen Spiele. Nach den Spielen schließen Prag (Tschechische Republik) und Tacen (Slowenien) an den ersten beiden September-Wochenenden die Serie ab. Eine Woche später werden im Wildwasserpark Hohenlimburg die nationalen Titelkämpfe entschieden.

Für den Nachwuchs, der seine Qualifikationen für Junioren- und U23-Nationalmannschaften ebenfalls an den beiden Olympiaquali-Wochenenden austrägt, stehen mit den Junioren- und U23-Europameisterschaften in Kraków (Polen) und den Weltmeisterschaften in Solkan (Slowenien) erneut zwei internationale Höhepunkte im Wettkampfkalender.

Zeitplan nationale Olympiaqualifikation in Augsburg, Rennen 1 und 2

Samstag, 9. April 2016 / Sonntag, 10. April (identische Zeiten)

09:06 Halbfinale Damen Canadier-Einer
09:48 Halbfinale Herren Kajak-Einer
10:20 Halbfinale Herren Canadier-Zweier
12:16 Finale Damen Canadier-Einer
12:41 Finale Herren Kajak-Einer
13:02 Finale Herren Canadier-Zweier
14:15 Halbfinale Damen Kajak-Einer
14:33 Halbfinale Herren Canadier-Einer
16:27 Finale Damen Kajak-Einer
16:44 Finale Herren Canadier-Einer

Weitere Informationen gibt es unter www.slalomevents.de (Markkleeberg), www.kanu-schwaben-augsburg.de (Augsburg)